ARBEITSPFERDE 42 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Wochen später erfolgte der C2-Kurs mit vier Teilnehmern). Dennoch zieht Konrad Strohschnieder ihn durch und geht dafür gezielt auf die Bedürfnisse der beiden Teilnehmer ein. So kann Sven Robben zwischendurch beispielsweise seine polnische Kaltblutstute mit der Wiesenschleppe vertraut machen. Die fleißige Stute gewinnt vor dem schweren Gerät schnell Routine und schleppt innerhalb von einer Stunde mal eben das abgefressene Koppelstück ab, das für den Kurs genutzt wird. Auch eine Praxiseinheit zum Thema Wartung und Instandsetzung der Geräte findet am Vormittag noch Platz im Programm. Teilnehmerin Stephanie Remy ist leidenschaftliche Fahrerin und gönnt sich den Kurs aus Interesse an den vielfältigen Möglichkeiten. Arbeitspferde brauchen eine Ausbildung Die Ausbildung eines Pferdes für den Einsatz vor landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen erfordert Zeit und Geduld. Oftmals ist es nicht allein der „schwerere Zug“, sondern auch die durch die Geräte erzeugten Geräusche und Vibrationen oder herumfliegende Partikel – wie es bei einem Düngerstreuer der Fall ist –, die die Pferde erschrecken können, sodass gefährliche Situationen entstehen können. Ein Durchgehen mit einer angehängten Maschine wäre der Supergau. Daher ist es wichtig, die Pferde im Vorfeld schrittweise mit den Anforderungen vertraut zu machen. „Wir gehen erst mal mit den Pferden an der Hand hinter den Maschinen her“, so Konrad Strohschnieder. „Dann fahren wir das Pferd zweispännig mit einem erfahrenen Pferd, erst mit dem Vorderwagen ohne Last, dann mit dem ausgeschalteten Gerät, und wenn das funktioniert, mit dem laufenden“, so der Trainer. Info und Kontakt zu den Kursen gibt es bei Korbinian Arzberger und Rheinhard Hundsdorfer, 93102 Pfatter/Griesau93102 Griesau, info@ig-zugpferde-bayern.de Pferdehof Kuhlemann, Dieter Kuhlemann und Konrad Strohschnieder, 26810 Westoverledingen, konrad.strohschnieder@t-online.de IG Zugpferde, 90584 Allersberg, bundesgeschaeftsstelle@ig-zugpferde.de, www.ig-zugpferde.de Hinzu kommt, dass der Leinenführer oder Fahrer immer einen Plan im Kopf haben muss, wie und wo er wendet oder die Bahnen anlegt. „Das Wenden mit einer Wiesenschleppe ist beispielsweise besonders schwierig, weil sie sehr schwer und breit ist“, betont auch Korbinian Arzberger. Dabei erfüllt die Wiesenschleppe eine wichtige Funktion: Sie ebnet nicht nur Maulwurfshügel und Lunken ein oder verteilt Pferdeäpfel, sondern raut auch insgesamt die verkrustete Oberfläche auf, sodass Dünger besser aufgenommen und daher sparsamer verwendet werden kann, erläutert Konrad Strohschnieder. Komplexes Wissen Einiges Erstaunen ruft dann unter den Teilnehmern auch die rund 75 Jahre alte Sämaschine, eine Amazone D mit zwei Meter Spurbreite, hervor, die Konrad Strohschnieder in allen Details erklärt. Sie ist so konstruiert, dass das rechte Holzrad in der vorherigen Radspur am Boden laufen muss, damit exakte Saatreihen zustande kommen. Deren Abstände können an der Maschine nach Bedarf eingestellt werden. Außerdem muss der Zulauf der Saatgutmengen so justiert werden, dass kein Samen verschwendet, aber auch nicht zu wenig auf die Fläche gebracht wird. Dazu wird im Stand ein Schutzblech vor den „Fingern“, aus denen die Samen dank kleiner Walzen rieseln, befestigt, und die Handkurbel nach Herstellerangabe gedreht (bei unserer 75 Jahre alten Amazone D genau 36,4 mal für die benötigte Menge von 1/40 Hektar oder 1/10 Morgen). Das aufgefangene Saatgut muss dann aufs Gramm genau gewogen werden. Stimmt die Menge nicht, wird der Zulauf entsprechend nachgestellt und erneut eine Probe genommen. Fazit Die Anforderungen an Menschen und Pferde bei der Grünlandpflege erfordern eine wirklich sorgfältige Ausbildung von beiden. Der Wochenend-Grundkurs von der IGZ kann und will davon nur eine Idee vermitteln, Erfahrung und Routine kommen mit der Zeit – oder mit den Aufbaukursen. Daher bietet es sich an, dieses Hobby mit erfahrenen Menschen zusammen oder im Verein zu betreiben, sich gegenseitig zu helfen und auszutauschen, damit das wertvolle Wissen um das naturnahe Wirtschaften mit Pferden erhalten bleibt. ■ Verschiedene Anspannungen wurden bei Korbinian Arzberger in Bayern mit insgesamt acht Pferden gezeigt. Foto: Korbinian Arzberger
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