34 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com können. Diese werden in der Verhaltensforschung unterschiedlichen Funktionskreisen zugeordnet: Sozialverhalten, Bewegungsverhalten, Ruheverhalten, Fressverhalten, Trinkverhalten, Ausscheidungsverhalten, Komfortverhalten, Spielverhalten, Erkundungsverhalten, witterungsabhängiges Verhalten, Fortpflanzungsverhalten und Mutter-Kind-Verhalten. Für eine artgerechte Haltung ist es unerlässlich, diese Funktionskreise zu kennen, zu verstehen und zu berücksichtigen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die übermäßige Befriedigung eines Bedürfnisses kein anderes, nicht befriedigtes Bedürfnis kompensieren kann. Bereits vor fast zwanzig Jahren ist das Konzept Paddocktrail in Deutschland bekannt geworden, welches ursprünglich auf der Grundlage von Beobachtungen wildlebender Mustangs in den USA entwickelt wurde (Paddock Paradise®, Jaime Jackson). Ein wesentlicher Teil des Konzepts ist die Grundform des Paddocks, die eher einem Weg gleicht, der verschiedene Funktionsbereiche miteinander verbindet. Durch die Gestaltung werden die Pferde zu mehr Bewegung angeregt und können eher ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben. Das Konzept erfreut sich immer größerer Beliebtheit und bietet unendlich viele Möglichkeiten kreativ zu werden, Elemente zu integrieren und sich den vorhandenen Gegebenheiten anzupassen. Die Herausforderungen bei der Umsetzung in die Praxis sind meist das Flächenangebot, baurechtliche Einschränkungen und der Kostenaspekt. Dabei braucht es keine besonders großen Flächen oder ein großes Budget, um einfach mal zu starten. Jede auch noch so kleine Veränderung in die Richtung, dass sich die Pferde mehr in ihrer Freizeit bewegen, ihre Umgebung erkunden und einen Teil ihres Lebens selbstbestimmt verbringen können, unterstützt die Pferdegesundheit, körperlich und mental. Am Ende schont es sogar den Geldbeutel des Besitzers, wenn weniger Tierarztrechnungen oder Trainingseinheiten aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten notwendig sind. Zudem ist es eine Freude, die Pferde auf ihrer Entdeckungsreise zu beobachten und hilft dem einen oder anderen selbst mal wieder zu entschleunigen und den Druck zu nehmen, dass man unbedingt das Pferd noch bewegen muss, weil es sonst nur gelangweilt herumsteht. Haltung, Bewegung und Fütterung zu optimieren, ist effektiver als jede Therapie und jedes Training. Denn sie haben jeden Tag viele Stunden Einfluss auf unsere Pferde – positiv oder negativ. Wie kann das in der Praxis aussehen? Unterschiedliche Elemente lassen sich in die Haltung integrieren, wobei es sinnvoll ist, neben den Bedürfnissen der Pferde, auch die Mitwelt einzubeziehen. So kann ganz nebenbei die Artenvielfalt unterstützt werden, indem Lebensräume geschaffen werden – und dies wiederum sorgt für bessere Voraussetzungen, um eine eventuell notwendige Baugenehmigung zu erhalten. Durch verschiedene Elemente wie Tränke, Wälzbereiche, Unterstände, Baumstämme und Totholz lassen sich auch ohne Zaungassen auf einer kleineren Fläche zusätzliche Bewegungs- und Beschäftigungsanreize schaffen. Foto: Kuenen/Kelly PFERDEHALTUNG
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