www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 33 Bereits im Tierschutzgesetz ist festgehalten, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Dabei werden die Punkte Bewegung und Fütterung explizit erwähnt: Wer ein Tier hält, muss es seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung darf nicht so eingeschränkt werden, dass es zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt. Ebenso werden die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten hinsichtlich Haltung und Ernährung aufgeführt, über die jeder Halter eines Tieres verfügen muss. Wirft man einen Blick in die aktuellen Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (BMEL, aktuelle Version 2009), die Hinweise zur praktischen Umsetzung geben, fragt man sich, wie damit die Grundbedürfnisse von Pferden und auch die Forderungen des Tierschutzgesetzes erfüllt werden können. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) hat 2022 ein Positionspapier zu den Leitlinien veröffentlicht und schlägt darin einige Änderungen auf Basis neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse vor. Diese Änderungen betreffen Mindestforderungen für eine Pferdehaltung – gleichzeitig gibt es noch immer viele Ställe, die diese Kriterien bei Weitem nicht erfüllen. Wichtige Fakten Pferde sind Bewegungstiere, Dauerfuttersucher und Herdentiere. Die Bewegung bei freilebenden Pferden findet gemäß verschiedener Studien über einen Zeitraum von etwa 12–17 Stunden (50–70 % des Tages) statt. In den Regionen, in denen vorwiegend gesunde Pferde beobachtet werden, legen sie im Schnitt 20 Kilometer zurück. Die Bewegung dient primär der Futtersuche und findet daher hauptsächlich im Schritt mit dem Kopf am Boden statt. Die Fressdauer liegt bei freilebenden Pferden ebenfalls im Rahmen von 14–17 Stunden (60–70 % des Tages), wobei sie in mehreren Intervallen fressen. Schauen wir dann in die Praxis, sehen wir, dass ein Großteil der von Menschen gehaltenen Pferde ihren Tag mit Stehen verbringen, in der Boxenhaltung etwa zu 68 %. Selbst bei moderneren Pferdehaltungen verbringen die meisten Pferde den Hauptteil ihres Tages mit Stehen, denn auch bei der Futteraufnahme ist meist keine Bewegung nötig und möglich. Die Fressdauer variiert zum Teil stark. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass ausreichend freie Bewegung die Zufriedenheit fördert, Stress abbaut und die Körperwahrnehmung verbessert. Sie begünstigt eine bessere Gesundheit des Bewegungsapparats, erhöht die Knochendichte und hält die Gelenke geschmeidig. Zudem verbessert Bewegung die Insulinsensitivität, regt alle Stoffwechselvorgänge an, setzt Hormone frei, die das Wohlbefinden steigern, und vieles mehr. So nimmt die Qualität der Gelenkflüssigkeit beispielsweise bereits nach 24 Stunden ab. Die Veränderungen sind also oft schneller und weitreichender als uns bewusst ist. Eine starke Futtereinschränkung führt bei Pferden zu Verhaltensauffälligkeiten, während bei einer Ad-libitum-Heufütterung am wenigsten Stress und aggressives Verhalten auftritt. Letztere hat allerdings in den letzten Jahren verstärkt dazu geführt, dass immer mehr Pferde unter Übergewicht und hierdurch unter zum Teil starken körperlichen Beschwerden leiden. Es muss also ein Weg gefunden werden, die Bedürfnisse zu erfüllen, ohne gesundheitliche Schäden als Folge zu riskieren. Mit kleinen Veränderungen Großes bewegen Es findet mittlerweile ein Umdenken in der Pferdewelt statt – hin zu einer artgerechteren Haltung, in der die Pferde ihre natürlichen Verhaltensweisen besser ausleben Abenteuer statt Langeweile – auf dem Paddocktrail gibt es viel zu entdecken. Links: ein Wälzplatz aus Rundkies und Elemente aus Baumstämmen zur Wegeverlängerung: Diese Seite: Steine und Totholz fördern die Koordination und regen zum Erkunden an. Foto: Kuenen/Kelly
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxOTE2Ng==