26 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com wichtigen Championate. „Als mit Corona plötzlich alle Veranstaltungen abgesagt wurden, wirkte das wie eine Entschleunigung“, erinnert sie sich. „Ein Jahr später habe ich normal weitertrainiert und beim ersten Trainingswochenende in Greven gemerkt, dass es gar nicht nötig ist, so viele Turniere zu fahren. Zumal es auch nicht immer leicht ist, die ganzen Helfer und Beifahrer zusammenzubekommen.“ Und schließlich möchte sie in Zukunft auch Zeit für ihre Richtereinsätze haben – im letzten Jahr hat die Fahrerin erfolgreich die Richterprüfung abgelegt. Gentle-Man Bei der Suche nach einem Nachfolger für Dornik Star kam Patricia wiederum der Zufall zu Hilfe. Eine Freundin entdeckte auf einer Weide von Bekannten einen dreijährigen Reitpony-Fuchs. „Er schaut aus wie Dorni“, beschrieb sie ihn. Eigentlich suchte Patricia ein Pony, das bereits gefahren war, doch schließlich beschloss sie, ihn sich wenigstens anzuschauen. „Und rate mal, wer sechs Wochen später hier einzog“, lacht sie. Das Einfahren des lebhaften Wallachs übernahm Frans Hellegers. Dann suchte sich Patricia vor allem Hilfe bei ihrem Trainer Michael Swiezynski vom Reiterverein St. Martin, Bockholt e. V. in Greven sowie bei Sylvia und Folkert Bühre. „Gentle IG Fahrer mit Behinderung Schon 1993 hatte sich eine Fachgruppe „Fahren für Menschen mit Behinderung“ zusammengeschlossen und sich 1995 im Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten zu einer eigenen Fachgruppe formiert. Die deutschen Fahrer mit Behinderung nahmen erstmals an internationalen Turnieren 1994 in England und 1996 in den Niederlanden teil. 2001 wurde dann die IG Fahrer mit Behinderung von 24 Aktiven, Beifahrern und Förderern gegründet. Die ersten Deutschen Meisterschaften fanden in Greven statt, seit 2002 werden im Zweijahrestakt auch Weltmeisterschaften durchgeführt. Die Fahrer starten dabei mit einem sogenannten Sportgesundheitspass, in den erlaubte Hilfsmittel und Umbauten eingetragen werden. Dazu gehören beispielsweise spezielle Sitze und Trittbretter auf dem Bock, Bremsen und Drehkranzbremsen, die vom Beifahrer bedient werden, Schlaufen für die Leinen oder eine Befestigung an der Hand für die Peitsche, aber auch die Parcoursbesichtigung per Quad und vieles mehr. Im internationalen Sport dürften die Fahrer außerdem einen luftbereiften Wagen für alle Prüfungen nutzen. Im Behindertenfahrsport werden außerdem entsprechend der Schwere der Behinderung drei Grade (international 2) unterschieden, wobei 1 die schwerste Behinderung (Querschnittslähmung oder Mehrfachbehinderung) und 3 die leichteste (beispielsweise der Einsatz eines kompensatorischen Hilfsmittels aufgrund einer Gehbehinderung) darstellt. Info: Interessengemeinschaft Fahren für Menschen mit Behinderung e.V., Wiesenweg 1, 33449 Langenberg. 1. Vorsitzender Markus Beerhues, https://fahren-mitbehinderung.de hat im Gegensatz zu Dorni sehr viel Bewegungsdrang, das war so wie der Umstieg von Bobbycar auf Porsche. Da brauchte ich erst mal Hilfe, um damit umzugehen“, erklärt sie. Auch schwierige Situationen im Gelände, beispielsweise die Begegnung mit Traktoren, die für Gentle immer noch unheimlich sind, lernte sie zu meistern. „Wir diskutieren immer mal wieder, wer von uns beiden das Tempo bestimmen darf. Da hilft dann nur Geduld, Konsequenz und viel Schritt fahren, um Ruhe reinzubringen“, berichtet sie. Und auch das war anfangs gar nicht so einfach. „Auf so einer Fahrt konnte es sein, dass ich ihn gefühlt Hunderte Male wieder durchparieren musste“, erinnert sie sich. „Es war erst mal ein langer Weg zu begreifen, dass man die Hand auch immer wieder vorgeben muss, wenn man möchte, dass das Pony bei einem bleibt, denn durch Festhalten erreicht man ja meistens das Gegenteil“, gibt Patricia fährt im Regelsport bis Klasse S mit. Hilfsmittel im Marathon sind ein mitdrehender Vordersitz, Schlaufen in den Leinen und Bremsen, die vom Beifahrer bedient werden. Foto: Louisa Beckmann PORTRÄT Patricia Großerichter
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