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www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 3 Wenn es ein Wort dafür gibt, was die Artikel dieser Ausgabe trotz aller Verschiedenheit verbindet, ist es wohl „Respekt“ – vor der Leistung von Mensch und Pferd genauso wie gegenüber unserem vierbeinigen Partner. Schon öfter haben wir erfolgreiche Fahrer beim Training besucht und interviewt – diesmal war es mit Patricia Großerichter etwas Besonderes. Wir lernten nicht nur ein spritziges, bewegungsstarkes Deutsches Reitpony und eine talentierte, fleißige Fahrerin kennen, die es mittlerweile zur Vizeweltmeisterin in ihrer Disziplin und zur Richterin geschafft hat, sondern auch jemanden, für den das alles aus gesundheitlichen Gründen nicht selbstverständlich ist, und die dieses „Happy End“ ihrer Beharrlichkeit, Geduld und einer starken Beziehung zu ihrem Pony verdankt. Im wahrsten Sinne des Wortes stark waren auch die Eindrücke beim ersten Grünlandkurs der IGZ, bei dem die Teilnehmer die Grundlagen für das Arbeiten mit Pferden vor landwirtschaftlichen Geräten erlernten. In unserer Serie „Starker Rücken“ zeigen wir diesmal Übungen, die sich einfach in das tägliche Training einbauen lassen und die, regelmäßig angewendet, den Unterschied im Hinblick auf eine gleichmäßige Gymnastizierung und Gesunderhaltung machen können. Gesündere, ausgeglichene Pferde durch bessere Haltungsbedingungen – das ist das Credo der Hufexpertinnen Christina Kuenen und Barbara Kelly, die uns einige ihrer Ideen und Konzepte vorgestellt haben, die sich mit wenig Aufwand auch bei wenig Platz realisieren lassen. Die große Vielfalt im Bereich des Gespannfahrens verdanken wir auch engagierten Verbänden, denen wir bei Pferd & Wagen immer gern Platz für ihre Themen geben. Das sind im Freizeitbereich die VFD, beim Arbeiten mit Pferden die IGZ, beim Traditionsfahren der DTV – und im Sport ist es die FN. Die stellt sich mit ihrem neuen Präsidenten Martin Richenhagen gerade komplett neu auf und möchte künftig mehr Dienstleister für ihre Mitglieder sein. Auch das Pferdewohl soll stärkere Gewichtung finden. Das neue Organigramm (siehe Seite 6) zeigt, dass Sport und Leistungssport auch künftig der Fokus bleiben. Einen eigenen Bereich „Breitensport“ oder sogar „Fahren“ sucht man zumindest in der schematischen Darstellung der Verbandsstruktur vergeblich. Mit Andrea Winkler aus der Abteilung Ausbildung haben wir außerdem über die Änderungen für die Fahrer in der neuen APO 2026 gesprochen. Hier scheint es ein paar Erleichterungen, aber keine bahnbrechenden Veränderungen zu geben – weder wird der viel kritisierte Abzeichendschungel der Realität angepasst, noch gibt es wesentliche Impulse für die Trainerausbildung. Ungläubig gestaunt habe ich aber bei der Anmerkung, dass es bei der Besetzung des Arbeitskreises Fahren nur wenige Nominierungen durch die Landesverbände gab und auch die Teilnahme an den Online-Meetings dürftig war. Das wirft dann doch Fragen auf … Ihre Respekt! Umstellung auf E-Mail Mit der Ausgabe 1/2025 haben wir die Rechnungsstellung auf E-MailVersand umgestellt, sofern uns E-Mail-Adressen vorlagen. Dies spart Aufwand und Kosten und schont zudem die Umwelt. Kunden, die ihre Rechnung per Post erhalten haben, bitten wir, uns möglichst noch eine E-Mail-Adresse für die künftige Rechnungsstellung zukommen zu lassen an: abo@pferdundwagen.com Natürlich ist weiterhin die Rechnungsstellung per Post möglich. Sie wird mit 1,95 Euro im Inland und 2,20 für das Ausland berechnet. EDITORIAL Anja Sagkob, Chefredakteurin

4 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com INHALT Juni/Juli TITELFOTO: Anna Mareike Meier beim CAIO in Kronenberg. Foto: Melanie Guillamot 3 EDITORIAL 6 FAHRSPORT-NEWS 6 FN organisiert sich neu 7 Protest gegen Pferdesteuer erfolgreich 7 Fahrertagung Fachgruppe Fahren 8 Erste-Hilfe-Kurs für Fahrer 9 Neue Wagen bei Schophoven 10 Meldungen aus den Regionen 12 RÜCKENSCHULE TEIL II Abkauen, Übertreten, Equikinetic 18 TRAINING Schub aus der Hinterhand entwickeln 22 IM TRAINING MIT ... Para-Fahrerin Patricia Großerichter 28 WANDERFAHREN Vom Emsland nach Cuxhaven 32 PFERDEHALTUNG 2.0 Tipps für mehr Bewegung und Beschäftigung 38 IGZ-GRÜNDLANDKURS Wiesenbewirtschaftung mit Pferden 44 APO 2026: Was sich für Fahrer ändert 18 SCHUB ENTWICKELN 38 GRÜNDLANDPFLEGE 32 PFERDEHALTUNG 2.0

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 5 47 KURSTERMINE UND FAHRSCHULEN IN IHRER NÄHE 50 TURNIERTERMINE 2025 UPDATE 55 SPORT 55 Platz 2 für Deutsches Team in Windsor 56 Exell siegt beim CAIO Kronenberg 56 Silber für Deutschland in Kladruby 58 Österreichische Meisterschaften Kaltblut 60 FACHGRUPPE FAHREN IM DRFV Refresher-Programm für Trainer 62 WAS ACHENBACH NOCH WUSSTE 64 TRADITIONSMELDUNGEN 64 DTV-Mitgliederversammlung 2025 66 DTV-Turniere Aachen und Neustadt Dosse 67 Das Kutschenmusem von Zachi Kälin 68 Traditionsfahrkalender 2025 69 MARKTPLATZ 70 Wagenbörse 81 Pferdemarkt/Kleinanzeigen 82 VORSCHAU/IMPRESSUM 83 PFERD & WAGEN-ABO ANSPRECHPARTNER Leserservice & Abo Mo – Fr: 9:00 – 12:00 Uhr Telefon +49 (0)4965-898 55 74 Fax +49 (0)4965-898 73 74 abo@pferdundwagen.com REDAKTION Telefon +49 (0)4965-899 00 97 redaktion@pferdundwagen.com MEDIABERATUNG Telefon +49 (0)4965-899 00 98 anzeigen@pferdundwagen.com FRAGEN ANREGUNGEN BESTELLUNGEN SAISONAUFTAKT 55 WAS ACHENBACH NOCH WUSSTE 62 PATRICIA GROSSERICHTER 22

NEWS 6 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Im Rahmen der „regulären“ FN-Tagungen Anfang Mai in Aachen ist Prof. Dr. h. c. Martin H. Richenhagen mit großer Mehrheit für vier Jahre zum Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gewählt worden. Gleichzeitig stellte er die neu erarbeitete Vision unter der Überschrift „Aus Liebe zum Pferd, im Dienste der Menschen“ vor. Die FN solle „Bundesverband für alle Belange rund ums Pferd sein“, der Dienstleistungsgedanke stärker in den Vordergrund rücken. Um dies zu erreichen, sollen Ziele noch klarer priorisiert, Strukturen neu organisiert und Regelwerke verschlankt werden. Geprägt von den Werten „Tierwohl, Fairer Sport, Kulturgut Pferd“ setzte Richenhagen damit sich und dem Verband ehrgeizige Ziele, die sich auch an Zahlen messen lassen sollen: ein durchweg positives sechsstelliges Jahresergebnis soll mittelfristig wieder ermöglichen, höhere Rücklagen anzulegen. Aber auch die Zahl der Vereinsmitglieder, Jahresturnierlizenzinhaber und Persönlicher FN-Mitglieder möchte der neue Präsident deutlich steigern. Auch die Neuorganisation der FN-Zentrale in Warendorf wurde präsentiert. Kern der Umstrukturierung ist eine Straffung der Führungsebene: Der bisher aus vier Personen bestehende Geschäftsführende Vorstand wird zuerst aus drei Personen bestehen und soll mittelfristig auf zwei Personen (einen Vorstandsvorsitzenden sowie einen Finanzvorstand) verkleinert werden. Dazu werden fünf klar definierte Ressorts – „Zucht und Pferd“, „Sport“, „Leistungssport“, „Administration“ sowie „PM, Kommunikation und Marketing“ – geschaffen, in denen die bisherigen Abteilungen thematisch gebündelt und zukünftig als Teams geführt werden – jeweils unter der Leitung eines Teamleiters. /as FN-Präsident Martin H. Richenhagen (2. v. l.) mit dem Geschäftsführenden Vorstand Dr. Klaus Miesner, Dr. Dennis Peiler und Vanessa Richwien (v.l.). Foto: FN/Holger Schupp FN-Jahrestagung FN organisiert sich neu Die Ressorts der FN und ihre Teams auf einen Blick.

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 7 hoch reißfest und robust  atmungsaktiv  abwaschbar  kein Fetten, kein Ölen  geringe Wasseraufnahme  von Profis getestet Fahrgeschirre aus LEMICO® ... mit Eigenschaften, die überzeugen SAM Harness 85652 Pliening b. München Finsinger Str. 1 Telefon: +49 (0) 8121 98979-70 Fax: +49 (0) 8121 98979-71 info@sattlerei-ansorge.de www.sam-harness.de Als ob die gestiegenen Futter- und Unterhaltskosten sowie die Tierarztgebühren für Pferde nicht schon genug wären, stand im hessischen Münzenberg die Einführung einer kommunalen Pferdesteuer auf dem Plan. Am 21. Mai protestierten gemäß einer FN-Pressemeldung 300 Pferdefreunde mit Bannern, selbst gestalteten Plakaten und klaren Botschaften dagegen vor dem Bürgerhaus, rund 50 Teilnehmer zeigten bei der anschließenden öffentlichen Sitzung Präsenz und suchten das Gespräch mit den Stadtverordneten. Mit Erfolg: Die Stadtverordnetenversammlung lehnte die geplante Pferdesteuersatzung einstimmig bei einer Enthaltung ab. Ein klares Votum, das nicht nur als Erfolg für die lokale Reitszene zu werten ist, sondern auch als wichtiges Signal für die Pferdesportszene. Die Organisatoren der Demo, allen voran der Reit- und Fahrverein Münzenberg, hatten einen engen Schulterschluss mit dem Pferdesportverband Hessen, dem Landessportbund Hessen und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gesucht. In einem umfassenden Positionspapier hatte der Verein die vielfältigen gesellschaftlichen Leistungen des Pferdesports aufgelistet: von der gesundheitlichen und sozialen Wirkung bis hin zum Erhalt ländlicher Strukturen und regionaler Wertschöpfungsketten. Auch die FN hatte mit einem ausführlichen Argumentationspapier zentrale Gründe gegen eine Pferdesteuer benannt – etwa die Gefährdung des Breitensports, der Jugendbeteiligung, der ökologischen Weidenutzung und der sozialen Integration durch den Pferdesport. /as Pferdesteuer weiter in Diskussion Erfolgreicher Protest in Münzenberg 300 Pferdefreunde demonstrierten erfolgreich gegen die Pferdesteuer. Foto FN/Paulina Müller Parallel zum Traditionsfahren vom 20. bis 31. August 2025 findet im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse die Jahrestagung der Fachgruppe Fahren im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband statt. Nach dem informellen Begrüßungsabend am Freitag, den 29. August, im geschichtsträchtigen Hauptbeschälerstall beginnt das Programm am Samstag (30.08.2025) um 10:00 Uhr mit der von Marc Jurd kommentierten Präsentation der Traditionsfahrer, die an der Ausfahrt des Deutschen Traditionsfahrer Verbands teilnehmen. Eine turniersportliche Trainingseinheit mit Ex-Bundestrainer Peter Tischer und Fahrern aus dem Landeskader Berlin-Brandenburg, ein Gestütsrundgang sowie Vorträge von Huberta von Krosigk und Marie Tischer sowie eine Podiumsdiskussion zu aktuellen Themen des Fahrsports runden das Programm ab. Der traditionelle Fahrerabend im Kutschenmuseum des Landgestüts und das parallel laufende internationale Dressurturnier machen das Neustädter Wochenende zu einem einzigartigen Event. /rs Info: www.wir-sind-Fahrer.de Fachgruppe Fahren im DRFV Fahrertagung in Neustadt/Dosse

NEWS 8 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Fahrsportsattlerei Mönch Bühlhof 2 · 24-Höfe 72290 Lossburg Tel. +49 7444 916800 info@moench-geschirre.de www.moench-geschirre.de Am Samstag, den 22. März 2025, luden die KutschenFreunde Herzebrock-­ Clarholz zu einem außergewöhnlichen Erste-HilfeKurs in die Von-ZumbuschGesamtschule Herzebrock ein. Geleitet wurde der Kurs von Bernhard Hülsey, einem erfahrenen Ausbilder mit eigenem Erste-Hilfe-Service – und diesmal erwartete ihn ein ganz besonderes Szenario: ein Pferdeanhänger auf dem Schulhof, eine Kutsche im Flur – sogar für Hülsey ein ungewohnter Anblick. 20 Teilnehmende, vor allem Reiter und Kutschfahrer, fanden sich ein, um einen intensiven und praxisnahen Erste-Hilfe-Tag zu erleben. Nach einem stärkenden Frühstück und einer kurzen Vorstellungsrunde ging es direkt ans Eingemachte. In vier Gruppen erarbeiteten die Teilnehmenden zentrale Fragen der Ersten Hilfe: Wie schafft man Ordnung in einem chaotischen Unfallgeschehen? Wie schützt man sich selbst, während man anderen hilft? Und wie geht man mit verletzten Personen in einem Fahrzeug um? Letzteres wurde direkt auf dem Schulhof realitätsnah geübt. Der gesamte Tag bot eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis. Immer wieder trafen sich die Gruppen, um Maßnahmen wie die stabile Seitenlage zu trainieren oder Verbände anzulegen. Im theoretischen Teil wurde umfassend über lebensbedrohliche Zustände wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Sepsis informiert. Nach der Mittagspause wurde es technisch: An Trainingspuppen konnten die Teilnehmenden die HerzLungen-Wiederbelebung üben – inklusive Mund-zuMund-Beatmung. Den Abschluss dieser Einheit bildete ein kleiner Gruppenwettbewerb. Die Aufgabe: im Team eine lückenlose Herzdruckmassage durchführen. Eine App unterstützte die Auswertung und ermittelte die effektivste Gruppe. Doch das Highlight des Tages folgte zum Schluss: Ein inszenierter Kutschenunfall mit vier Verletzten und zwei Pferden – dargestellt von Spielzeug-Kinderpferden – forderte das gesamte Können der frisch geschulten Ersthelfer. Besonders berücksichtigt wurde dabei das Verhalten panischer Pferde, das bei einem echten Unfall eine zusätzliche Herausforderung darstellen kann. Am Ende waren sich alle einig: Dieser Kurs war alles andere als gewöhnlich. Mit viel Engagement, Praxisbezug und einer Prise Humor vermittelte Bernhard Hülsey wertvolles Wissen auf Weise. /Eileen Reckmann Kutschen-Freunde Herzebrock-Clarholz Inszenierter Kutschenunfall: Erste-Hilfe-Kurs mit Special Effects Ein Kutschenunfall wurde mit Spielzeugponys simuliert. Foto: Eileen Reckmann

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 9 Neu im Programm von Fahrsport Schophoven ist ein sehr leichter Trainingswagen für Pferde und Ponys mit praktischem Mitteldurchgang: der Glinkowski Trox-60 Rytna mit Ein- und Zweispännerausstattung. Die Spurbreite des Wagens beträgt standardmäßig 140 cm; die Sitzhöhe kann von 125 bis 145 cm variieren und die Räder mit V-Profil sind von 21 bis 27 Zoll im Programm. Zur Ausstattung gehören außerdem, der rutschfeste Boden, die Drehkranzbremse, die Lenkverzögerung und die Luftfederung. Farben können individuell gewählt werden (alle RALFarben sind möglich). /as Info: www.kutsche-kaufen.de Fahrsport Schophoven Leichter Traningswagen Der Glinkowski Trox-60 Rytna besitzt einen Mitteldurchgang. Fahrsport Schophoven Rolux Flex Sport – neuer Wagen für alle Sparten Wer im Turniersport mitfahren möchte, braucht in der Regel mehrere Kutschen für die einzelnen Disziplinen. Fahrsport Schophoven hat nun einen Wagen vorgestellt, der flexibel für Dressur, Hindernis, Marathon und Training einsetzbar ist: die nach FEI-Richtlinien konstruierte „Rolux Flex Sport“. „Rolux“ steht dabei für „Rombach Luxus Kutschen“, die Marke, die Schophoven 2014 übernahm, und Flex für flexibel. In der Grundausstattung besitzt das Fahrzeug vier Scheibenbremsen, die Räder sind von 21–25 Zoll erhältlich, die Spur der Hinterachse ist von 1,25 auf 1,40 verstellbar und der Groomsitz lässt sich abnehmen. Zu den weiteren Optionen gehören beispielsweise die Drehkranzbremse, Teleskoplonden, Ein- und Zweispännerausstattung, ein großes Edelstahlpaket, eine einzeln gelagerte Vorderachse sowie vier Mal Pneumatikfederung. /as Info www.kutsche-kaufen.de Einer für alles: Mit Spurverstellung und abnehmbarem Groomsitz deckt der Rolux Flex Sport alle Disziplinen ab. Das Fahrlehrgerät von Pferd & Wagen Der ideale Begleiter für die Fahrausbildung und das Training zuhause! Einfach an den Tisch klemmen! Ein- und Zweispänner-Set: 89,90 € Tandem- und Vierspänner-Set: 163 € Die Fahrlehrgeräte bestehen aus: ● Transporttasche ● BioThane®-Leinen ● Kordeln ● Umlenkrollen ● Lärchenholzriegel ● Tischklemmen ● Gewichten Alle Preise inkl. der gesetzl. MwSt., zzgl. Versandkosten. schnell bestellt per Mail: info@pferdundwagen.com oder im Shop: www.pferdundwagen.com

NEWS 10 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com CAPA Die atmungsaktive Allwetterschutzhaube für Ihren Wagen www.capa-shop.de PreisHit ab € 107,50 Besonders für historische Wagen geeignet – von Shetty bis Landauer. 92x60HängerCapa.indd 1 11.02.15 14:27 Ekkert Meinecke Sattlermeister Braunschweiger Str. 41 – D-29358 Eicklingen Tel. 0 51 44/82 28 – Fax. 0 51 44/5 63 36 info@sattlerei-meinecke.de – www.sattlerei-meinecke.de Unter dem Motto „Aus jedem Winkel betrachtet“ fand die Auftaktveranstaltung des rheinischen Fahrsports am 6. April 2025 auf dem Conradshof in Pulheim statt. Zielgruppe für den diesjährigen Saisonauftakt waren Trainer und Richter, Thema war die „Bedarfsgerechte Erarbeitung von Einzellektionen der Dressuraufgaben“. Bekanntlich hat praktisches Fahren mindestens zwei Seiten, aber auch verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Fünf Gespanne von Klasse A bis S wurden zunächst in einer Dressuraufgabe bewertet und hieraus Verbesserungsvorschläge für das Training abgeleitet, die die Gespanne im Anschluss üben sollten. Dann wurde die Aufgabe nochmals gefahren, um einen direkten Vergleich ziehen zu können. Ein Team aus einem Richter und zwei Trainern war hauptverantwortlich für ein Gespann. Neue Aspekte, unterschiedliche Eindrücke und hieraus resultierende Diskussionen trafen dabei auf reale Situationen aus der Praxis. Der Erfahrungsschatz der älteren und die Sichtweise der jüngeren Richter und Trainer konnte so in eine Waagschale geworfen und ein ausgewogenes, sportliches Fundament für die kommende Saison erarbeitet werden. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch gute Gespräche und einen fachlichen Austausch beim gemeinsamen Mittagessen. Der Erlös des ehrenamtlich umgesetzten Konzepts ging in die Kasse von „Fahren für Fahrer“ für notwendige Anschaffungen. /Beate Günther Pferdesportverband Rheinland e. V. Fortbildung Dressurfahren für Trainer und Richter Die Teilnehmer nutzten die Chance, voneinander zu lernen. Wie jedes Jahr in Frühjahr haben Kurse zum FA5, Kutschenführerschein und Pferdeführerschein Umgang bei Familie Bühre in Stemwede für den 1. Fahr- und Reitverein Nettelstedt stattgefunden. Alle Prüflinge konnten am Ende die ersehnten Urkunden in den Händen halten: sieben den Pferdeführerschein Umgang und neun das Fahrabzeichen FA5 sowie den Kutschenführerschein A. Geprüft wurden sie von den Richtern Uli Altekruse und Uwe Kröger. Die Prüflinge zeigten ihre erworbenen Fähigkeiten und Erkenntnisse im Bereich der Pferdekunde (Haltung, Fütterung, Umgang, Krankheiten etc.) und der Fahr1. Fahr- und Reitverein Nettelstedt e.V. Fahrlehrgang erfolgreich Glückliche Absolventen des Fahrkurses bei Sylvia Bühre.

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 11 Nun schon zum zwölften Mal fand die Mai-Ausfahrt der Pferdefreunde Fröndenberg statt. Für den Verein mit über 100 Mitgliedern ist sie eine lieb gewordene Tradition. Und so gingen neun Gespanne und zwei Reiter auf die circa 16 km lange Strecke, die in diesem Jahr von Steinen über Moskau, Peddinghausen, Röhrberg und Lenningsen wieder zurück nach Steinen führte. Vom Kaltblüter bis zum Warmblüter und Ponys und vom Ein- bis zum Zweispänner sowie unter dem Sattel ging es bei perfektem Wetter in gemütlicher Fahrt voran. Mitgeführt auf der Kutsche wude ein Bogen mit der Streckenführung und damit verbundenen Fragen, die nicht über das Handy oder Internet zu beantworten waren – man musste schon dort gewesen sein. Alle kamen bester Laune wieder in Steinen an, die Pferde wurden auf die vorbereiteten Paddocks gestellt, wo sie grasen konnten, während die Teilnehmer den Tag im Sonnenschein bei Kaffee, Kuchen und Grillwürstchen ausklingen ließen. /as www.sedlarstvijg.cz Hersteller exklusiver maßgefrertigter Geschirre in verschiedenen Größen und Farbkombinationen für das Turnier-, Freizeit- und Traditionsfahren. Jaroslav Galetka jaroslavgaletka@seznam.cz www.sedlarstvijg.cz Jaromír Kundera Mobil: +49 173 5391 917 fery.kundera@seznam.cz lehre nach Achenbach (Grundsätze, Geschirrkunde, Fahren im Straßenverkehr und auf dem Platz). Auch die Ponys Almblitz Allegro, Casimir, Judy, Nero, Ninja und Nyaomi sowie die Pferde Czarna und Fee gaben ihr Bestes. Und so äußerten sich die Richter sehr zufrieden mit den Leistungen der Prüflinge, und die wochenlange Vorbereitung in einer sehr harmonischen Gruppe hat sich somit ausgezahlt. /as Pferdefreunde Fröndenberg 12. Mai-Ausfahrt bei bester Laune Eine bunte Vielfalt an Gespannen war mit von der Partie. Foto: Anke Scheele

12 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Spezielle Bodenarbeitsübungen wie das Animieren zum Abkauen und seitliches Übertreten leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Rückenmuskulatur und zur Lösung verspannter Strukturen. Sie helfen dabei, die Beweglichkeit zu verbessern und natürliche, gesunde Bewegungsmuster wiederherzustellen. Entspannung über das Kiefergelenk Abkauübungen wirken gezielt auf das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) und die umliegende Muskulatur. Durch feine, kontrollierte Reize wird eine Lockerung der Kaumuskulatur erreicht, die sich entlang der myofaszialen Verbindungen – also der Muskel-Faszien-Ketten – bis in die Hals- und Rückenmuskulatur fortsetzt. Muskeln wie der Musculus brachiocephalicus (verbindet Hals und Vordergliedmaße) oder der Musculus splenius (Strecker und Stabilisator des Halses) entspannen sich dabei ebenso wie der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi) und die tief liegenden Stabilisationsmuskeln (Musculi multifidi). Ein entspanntes Kiefergelenk fördert so die Lockerung des gesamten vorderen Rumpfbereichs und verbessert die Bewegungsqualität nachhaltig. Seitliches Übertreten – Mobilisation von Kruppe und Rücken Beim seitlichen Übertreten wird das Pferd dazu angeregt, die Hinterbeine bewusst seitlich unter den Körper zu setzen. Eine gesunde Biomechanik – also das harmonische Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Faszien im Bewegungsablauf – ist eine grundlegende Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eines Pferdes. Text: Thomas Sagkob, Fotos: Pferd & Wagen TRAINING Schwerpunkt Rücken Rückenschulung ... im biomechanischen Kontext

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 13 Benötigte Ausrüstung Kappzaum/Trense mit Gebiss, Führseil und Gerte Vorbereitung Positionieren Sie sich auf Schulterhöhe seitlich neben dem Pferd. Das Führseil wird knapp unterhalb des Gebissrings gefasst, der Arm bleibt locker und leicht gebeugt. In der äußeren Hand führen Sie die Gerte. Ausführung Bewegen Sie sich im Schritt auf einem Zirkel. Durch feine Impulse am Führseil wird das Pferd sanft nach innen gestellt, wobei eine korrekte, natürliche Biegung erhalten bleiben muss. Dann heben Sie die Führhand, ohne dabei Druck aufs Pferdemaul auszuüben. Sobald das Pferd leckt, kaut und das Genick entspannt, senkt man die Führhand und lobt das Pferd. Eine Überstellung oder ein Verbiegen des Halses ist dabei zu vermeiden. Zur Einleitung der seitlichen Verschiebung (Übertreten) drehen Sie Ihren Oberkörper minimal gegen die Bewegungsrichtung zum Pferd hin. Achten Sie dabei auf eine konstante Position auf Höhe des Pferdekopfes und etwas Abstand. Die Gerte wird waagerecht in Richtung des inneren Hinterbeins ausgerichtet. Im Moment des Abfußens wird das Pferd leicht oberhalb des Knies am Oberschenkel touchiert, um die seitliche Bewegung zu unterstützen. Dieser Touchierpunkt begünstigt das Übertreten mit Vorwärtsbewegung bei gleichzeitiger Verstärkung der Hankenbeugung. Zielsetzung Das Pferd soll auf minimalen Reiz seitlich ausweichen und die Beine korrekt kreuzen. Reagiert das Pferd richtig, ist eine unmittelbare positive Verstärkung durch Lob und eine kurze Pause (Senkung der Gerte) wichtig. Wiederholung Die Übung sollte drei- bis viermal erfolgen, anschließend Handwechsel. Hinweis Eine ruhige Hilfengebung und konsequente, aber feinfühlige Wiederholung fördern die korrekte Ausführung und tragen zur gymnastizierenden Wirkung der Übung bei. Dabei werden sowohl die Muskelgruppen, die die Gliedmaßen vom Körper wegführen (Abduktoren), als auch jene, die sie heranziehen (Adduktoren), aktiviert. Besonders wichtig ist die Mobilisation des Iliosakralgelenks (Verbindung zwischen Becken und Wirbelsäule) sowie die Dehnung der großen Rückenfaszie (Fascia thoracolumbalis). Diese Strukturen spielen eine zentrale Rolle für die Beweglichkeit der Hinterhand und die Stabilität des Rückens. Durch regelmäßiges Training des seitlichen Übertretens werden Verspannungen gelöst, die Beweglichkeit des Beckens verbessert und eine gleichmäßige Belastung auf beide Körperseiten unterstützt. Fazit Gezielte Techniken wie Abkauübungen und seitliches Übertreten sind also sehr wertvolle Instrumente, um die körperliche Balance und Beweglichkeit des Pferdes zu fördern. Durch die Entspannung von Kiefer, Hals, Rücken und Kruppe wird nicht nur die Muskulatur gelockert, sondern auch die natürliche Bewegungskoordination verbessert. Damit tragen diese Methoden entscheidend zur Gesunderhaltung und Leistungssteigerung sowie zum allgemeinen Wohlbefinden des Pferdes bei. Eine regelmäßige Integration in das Training unterstützt die langfristige Gesunderhaltung des Bewegungsapparats und kann so möglichen Verschleißerscheinungen vorbeugen.  Für die seitliche Verschiebung drehen Sie Ihren Oberkörper etwas gegen die Bewegungsrichtung zum Pferd. Die Gerte wird waagrecht in Richtung des inneren Hinterbeins ausgerichtet und touchiert oberhalb des Knies im Moment des Abfußens.

14 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Rückenschulung im Quadrat Equikinetik für die Rumpf- und Rückenmuskulatur Die Equikinetic-Methode nach Michael Geitner bietet innovative Ansätze zur gezielten Förderung der Muskulatur und der damit einhergehenden Bewegungsqualität von Pferden. Ein zentrales Element ist das Training auf der Quadratvolte, das insbesondere die Rumpf- und Rückenmuskulatur stärkt und die Balance sowie die Bewegungskoordination des Pferdes verbessert. Text: Thomas Sagkob, Fotos: Pferd & Wagen Das Training in der Quadratvolte ist besonders gut dafür geeignet, der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegenzuwirken. TRAINING Schwerpunkt Rücken

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 15 Beim Training auf der Quadratvolte läuft das Pferd auf einer festgelegten Linie, die eine bestimmte Biegung entlang seiner Längsachse bewirkt. Die gleichmäßige Biegung auf beiden Seiten sorgt dafür, dass sich das Pferd allmählich in sich gerade richtet, wodurch die natürliche Schiefe mehr und mehr reduziert wird. Durch diese gezielte Biegung wird die Muskulatur auf beiden Seiten gleichmäßig gedehnt und aufgebaut, was wiederum die Belastung auf die Gelenke und die Bewegungsmechanik positiv beeinflusst. Auf der steifen Seite wird das innere Vorderbein entlastet, während die Hinterhand stabilisiert wird und nicht mehr ausfällt. Auf der holen Seite drängt das Pferd nicht mehr über die Schulter nach außen. Das Tempo auf der Quadratvolte sollte stets so gewählt werden, dass das Pferd sich sicher fühlt und ausbalancieren kann. Zu Beginn empfiehlt es sich, im Schritt zu arbeiten, da diese Gangart die Muskulatur schonend trainiert und die Balance fördert. Das Schritttraining sollte fleißig, aber nicht übereilt erfolgen. Ein regelmäßiger Handwechsel ist essenziell, um eine gleichmäßige Belastung der Muskelgruppen zu gewährleisten. Im Trab sollte das Tempo zunächst verhalten gewählt werden, um Überlastungen zu vermeiden. Zu schnelles Arbeiten auf der Quadratvolte belastet die Gelenke zu stark und kann den Trainingserfolg beeinträchtigen. Trainingsempfehlung Das Training auf der Quadratvolte erfolgt in Intervallen (siehe Grafik „Trainingseinheiten“). Nach jeder Einheit wird ein Handwechsel durchgeführt, um die Muskulatur beidseitig gleichmäßig zu trainieren. Da bei diesem gymnastizierenden Die natürliche Schiefe des Pferdes Hohle Seite: Die Seite des Pferdes, zu der es sich besonders gern biegt. Dort ist die Muskulatur verkürzt. Das Pferd tritt oft auf dieser Seite mit dem inneren Hinterbein mehr unter den Schwerpunkt, nimmt den Kopf/Hals nach innen. Besonders in den Kurven wandert die äußere Schulter aber nach außen. Steife Seite: Die Seite, zu der sich das Pferd weniger gern biegt, da die hohle Seite mit der verkürzten Muskulatur jetzt außen ist. Um sich nicht dehnen zu müssen, geht das Pferd mit der inneren Schulter nach innen und belastet dabei das innere Vorderbein mehr. Durch das gleichmäßige Gymnastizieren wird nun versucht, das Pferd gerade zu richten. Die hohle und die steife Seite werden aneinander angeglichen, um die Überlastungen durch einseitige Belastungen zu reduzieren. Aufbau der Quadratvolte Um den inneren Durchmesser der Quadratvolte festzulegen, bedient man sich zunächst der vier Dual-Elemente als Abstandhalter, die anschließend mit etwa einem Meter Abstand außen parallel zu den inneren Dual-Elementen gelegt werden. In der Wendung beziehungsweise in den Ecken werden durch feinfühlige Impulse an der Longe Stellung und Biegung gefordert. In den Gassen soll sich das Pferd gerade stellen (Longe nachgeben). Nach jeder Einheit erfolgt ein Handwechsel. Beim unerfahrenen Pferd muss man zunächst mehr führen als longieren; je vertrauter das Pferd mit den Dual-Gassen ist, desto mehr kann man mit der Longe auf Distanz arbeiten. Handhabung der Longe

TRAINING Schwerpunkt Rücken 16 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com ► Die Quadratvolte hat eine hohe gymnastizierende Wirkung auf die Rumpf- und Rückenmuskulatur. In den Gassen kommt das Pferd ganz aus der Stellung und Biegung heraus, durch die Ecken wird es zu Stellung und Biegung animiert.

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 17 2 Runden Trab 2 Runden Trab 2 Runden Trab 1 Runde Schritt 1 Runde Schritt Aufbau der Trainingseinheiten 1 Einheit rechte Hand Handwechsel nach jeder Einheit 1 Einheit linke Hand ► = 1 Einheit Rumpf- und Rückentraining auf einer relativ engen Volte die Extremitäten des Pferdes stark beansprucht werden, sollten nicht mehr als zwei Einheiten (siehe Grafik oben) auf jeder Hand zwei- bis dreimal pro Woche ins Training integriert werden. Wichtig ist, dass die Muskulatur nach jedem Trainingstag etwa 48 Stunden Zeit zur Regeneration und zum Muskelaufbau bekommt. Hinweise für das Training Stellung und Biegung des Pferdes dürfen niemals erzwungen werden (kein Ziehen an der Longe). Sanfte Impulse an der Longe reichen aus, um die Stellung zu fördern, alles Weitere ergibt sich durch die Arbeit auf der Quadratvolte. Wird versucht, die Stellung zu erzwingen, kann sich das Pferd verspannen, was den Muskelaufbau und die Bewegungsqualität negativ beeinflusst. So hilft man sich bei Problemen Das Pferd verwirft sich im Genick: Zunächst im Schritt weiterarbeiten, um die Entspannung zu fördern. Nimmt es die Nase sehr tief oder stolpert, deutet das auf Überforderung hin: Das Training sollte beendet werden, die Muskeln sollten sich regenerieren können (48 Stunden). Verlust der Hinterhandaktivität: Die Muskulatur ist erschöpft. In diesem Fall ist es ebenfalls ratsam, das Training zu unterbrechen, damit sich die Muskulatur ausreichend regenerieren kann. Die Ausrüstung Benötigt werden acht Dual-Gassen-Elemente – vier gelbe und vier blaue (Blau und Gelb stehen für Pferde in einem starken Kontrast zueinander und werden deshalb im Wechsel gelegt sehr intensiv wahrgenommen, was wiederum die Aufmerksamkeit beim Training fördert). Für das Pferd eignet sich der Kappzaum besser als eine Trense, um es nicht im Maul zu stören. Zudem kann bei Verwenden eines Kappzaums der Handwechsel schneller und unkompliziert durchgeführt werden. Weiterhin kommen eine kurze Longe (4,5 bis 6 m) und eine Bogenpeitsche für das Training zum Einsatz. Fazit Das Training auf der Quadratvolte nach der EquikineticMethode von Michael Geitner ist eine sehr effektive Methode zur gezielten Stärkung der Rumpf- und Rückenmuskulatur von Pferden. Durch die gleichmäßige Biegung auf beiden Seiten wird die Muskulatur ausgeglichen, die Balance verbessert und die Bewegungskoordination gefördert. Wichtig ist, das Training langsam und regelmäßig durchzuführen, auf die Signale des Pferdes zu achten und eine Überforderung zu vermeiden. Mit einer strukturierten Trainingsphase und der richtigen Ausrüstung kann die Methode dazu beitragen, muskuläre Dysbalancen auszugleichen, die Haltung zu verbessern und die allgemeine Bewegungsqualität des Pferdes nachhaltig zu steigern. ■ Das Training auf der Quadratvolte eignet sich besonders gut dazu, der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegenzuwirken. Gerade jungen oder gänzlich untrainierten Pferden, die bislang nicht so gut durch die Wendung gingen, ist so eine Trainingskur über drei bis vier Wochen besonders zu empfehlen. Noch besser wäre es, dieses Training als festen Bestandteil in den Wochentrainingsplan einfließen zu lassen.

18 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Dieser junge Mann arbeitet mit viel Gefühl und Erfolg an der Entwicklung der Schubkraft seines Pferdes (und er beherrscht das Fahren nach Achenbach). TRAINING Der erste Schritt zu mehr Schubkraft und Schwung ist für jedes Pferd das Erarbeiten der Grundgangarten unter Berücksichtigung der ersten drei Punkte der Ausbildungsskala: Takt, Losgelassenheit und Anlehnung – auch als Gewöhnungsphase bezeichnet. In dieser Phase sollen Pferde lernen, sich ungezwungen vor Mehr Schwung, mehr Schubkraft So entwickeln Fahrpferde Kraft aus der Hinterhand Text: Thomas Sagkob, Fotos: Pferd & Wagen dem Wagen zu bewegen, ohne Verspannung und in ihrem natürlichen Bewegungsablauf. Erst wenn das Pferd im Gebrauchstrab eine klare Schwebephase zeigt, kann mit der gezielten Förderung der Schubkraft aus der Hinterhand begonnen werden. Von Natur aus verfügt das Pferd als Fluchttier über eine sehr starke Hinterhand. Und genau diese natürliche Veranlagung gilt es, im Fahrpferdetraining gezielt zu nutzen, um die Tiere gesund zu erhalten, vorzeitigem Verschleiß vorzubeugen und langfristige Leistungsfähigkeit zu sichern.

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 19 Oben: Das Zulegen wird aus dem geregeltem Gebrauchstrab heraus erarbeitet: In ungezwungener Anlehnung das Pferd über feine Hilfen dazu animieren, mit mehr Raumgriff mehr Boden zu machen, ohne dabei zu übereilen, ist das Ziel. Das erfordert ein fein dosiertes und aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel der Hilfen aus Treiben und Abfangen. Mitte: Galopparbeit ist ein Schlüssel zu mehr Schwung und Schub aus der Hinterhand. Denn um das Bein bei der Einbeinstütze in schonender Weise nur für einen kurzen Moment zu beanspruchen, nimmt das Pferd ordentlich Schwung. Unten: Die Galopparbeit hat etwas gebracht: Das Pferd fußt deutlich energischer mit der Hinterhand ab und entwickelt dadurch mehr Schub, die Anlehnung hat sich verbessert. Die aktive Hinterhand ist das Fundament für Schub und Schwung. Mit fein abgestimmten, treibenden Hilfen und einer nachgebenden Hand wird das Pferd zur Rahmenerweiterung und größerem Raumgriff angeregt – zunächst nur in leichter Trabverstärkung. Das Ziel hierbei ist nicht Tempo, sondern eine kraftvollere Bewegung aus der Hinterhand. Tipp: Treibende Hilfen dienen dabei ausschließlich der Erhaltung der Aktivität. Lässt diese nach, werden sie dosiert erneut eingesetzt. So entsteht Schwung als Reaktion auf eine gezielte Hilfe – nicht als Automatismus. Nach einigen Wochen sollte sich ein tragfähiger, schwungvoller Trab entwickeln, bei dem die Hinterhufe leicht über die Spur der Vorderhufe fußen. Dabei gilt: Eile ist der Feind des Schwungs. Ein zu schneller Trab verkürzt die Schwebephase – der Schwung geht verloren. 

TRAINING 20 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com Eine freier Rücken ist für das Training essenziell: Nur ein elastischer Rücken erlaubt ein energisches Unterfußen der Hinterhand. Auch hier gilt: Anlehnung und Losgelassenheit dürfen zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt werden. Zusätzliche Impulse durch Longe und Cavaletti Als Ergänzung zur Arbeit vor dem Wagen eignen sich Übungen an der Longe/Doppellonge über flach aufgelegte Cavaletti-Stangen, denn diese fördern: y die Rückenaktivität, y die Hebemuskulatur, y das kraftvolle Abfußen der Hinterhand sowie y Trittsicherheit und Koordination. Dosierung und Pausen Gerade bei jungen Pferden kann man bei der Entwicklung ihrer Kraft und Kondition viel verkehrt machen. Anzeichen von Überforderung können sich durch Taktunreinheiten oder verstärktes Abstützen auf dem Gebiss äußern. Daher sind regelmäßige Schrittpausen ein Muss – verbunden mit der Möglichkeit zum Dehnen in die Vorwärts-abwärtsHaltung, um Verspannungen in Rücken und Hals zu lösen. Übergänge vom Trab in den Schritt sollten weich gefahren werden. Halbe Paraden bereiten das Pferd darauf vor, gefolgt von einer Verlängerung des Leinenmaßes zur Rahmenerweiterung, ohne die Verbindung zu verlieren. So bleibt der Takt stabil. Auch im Schritt muss der Fleiß erhalten bleiben. Intervalle im Gelände Ein bewährtes Konzept zur Förderung von Kraft, Ausdauer und Schwung im Gelände ist das Intervalltraining: eine Minute Schritt, zwei Minuten Gebrauchstrab mit insgesamt vier Intervallen. Bei mangelnder Kraft wird die Trabdauer auf eine Minute reduziert, die Schrittpausen bleiben gleich. Nach drei bis vier Wochen kann die Trabzeit wieder verlängert werden. Das Training im Gelände bietet gegenüber dem Training auf dem Platz mentale Abwechslung. Doch bei guckigen Pferden ist zunächst ein routiniertes Zweitpferd an der Seite, das Sicherheit vermittelt, ein großer Vorteil. Oben: Über Tempo zu fahren, ist kontraproduktiv und führt in der Regel nur zur Überforderung und Verspannung des Pferdes. Unten: Achtung, nicht zu eng machen! Bei Rückführungen hat es sich bewährt, das Pferd durch Annehmen und Nachgeben gefühlvoll in die halben Paraden zu treiben, damit die Hinterhand aktiv bleibt. Hier ist das Pferd schon etwas zu eng, die Hinterhand wird schleppend.

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 21 Galopparbeit – Schwungentwicklung auf höchstem Niveau Auch für Fahrpferde ist Galopparbeit essenziell. Der Galopp besitzt mit seiner dynamischen Phasenstruktur (Einbeinstütze, Dreibeinstütze, Schwebephase) das höchste Schwungpotenzial. Diese Arbeit kann an der Longe, Doppellonge oder unter dem Sattel erfolgen und sollte viele Übergänge enthalten. Diese fördern die Losgelassenheit und fordern gezielt die Lastaufnahme über die Hinterhand. Schwung durch Tempounterschiede Tempowechsel im Trab auf gebogenen Linien gefahren schulen ebenfalls gezielt die Hinterhand: zulegen, auffangen, erneut zulegen – und stets darauf achten, dass das Pferd nicht eilig wird. Ein schwungvoller, kraftvoller Schub bedeutet nicht Geschwindigkeit. Hilfengebung Treiben Sie immer von hinten nach vorn an die äußere Leine (diagonale Hilfengebung). Vermeiden Sie eine zu starke Einwirkung auf die innere Leine, da dies die Bewegungsfreiheit der Hinterhand einschränkt. Beim Rückführen in ein langsameres Tempo helfen halbe Paraden. Auf Stimme sollte verzichtet werden, um die Hinterhand aktiv zu halten. Trainingshäufigkeit und Abwechslung Ein sinnvoller Trainingsrhythmus umfasst zwei bis drei Einheiten pro Woche mit mindestens zwei Tagen Pause dazwischen zur Muskelregeneration. Die Inhalte sollten abwechslungsreich sein: Fahren auf dem Platz, Gelände, Longieren und (falls möglich) Reiten ergänzen sich ideal. Fazit Der Aufbau von Schubkraft und Schwung ist ein systematischer Prozess, der Geduld, Gespür und einen strukturierten Trainingsplan erfordert. Im Zentrum steht dabei immer die aktive Hinterhand – denn sie ist die treibende Kraft für ein gesundes, leistungsfähiges Fahrpferd. ■ Die Arbeit über Cavaletti-Stangen bewirkt so einiges: Die Rückenmuskulatur wird elastischer, die Hebemuskulatur gestärkt und das Abfußen der Hinterhand energischer. Zudem werden Trittsicherheit und Koordination geschult. Flache Auflagen reichen dafür völlig aus. Kein Training ohne regelmäßiges Dehnen nach vorwärts-abwärts. Das Pferd entspannt dabei die Rückenmuskulatur und vor allem auch die Halsmuskulatur, da der Druck von der Zunge wegkommt.

22 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com PORTRÄT Patricia Großerichter Geduld und Konsequenz Im Training mit … Patricia Großerichter Immer wieder haben wir bei Pferd & Wagen erfolgreiche Fahrsportler besucht und ihnen beim Training über die Schulter geschaut. Diesmal war Redakteurin Anja Sagkob bei Patricia Großerichter in Holdorf im Landkreis Vechta zu Gast. Die 34-Jährige ist im Pony-Einspänner erfolgreich bis Klasse S und seit dem letzten Jahr auch Richterin. Zudem wurde sie bei den Para-Fahrern dreimal in Folge deutsche Vizemeisterin, gewann bei der WM 2021 in Schildau Einzel-Bronze sowie 2023 in Exloo Silber und erneut Mannschaftsgold. Text: Anja Sagkob Zur Vorbereitung auf die anstehenden Turniere, die WM-Sichtungen in Greven, Rheurdt und Nordwalde, die Deutsche Meisterschaft in LauchheimHülen und schließlich hoffentlich die Weltmeisterschaft der Para-Fahrer im emsländischen Lähden ist heute Patricia Großerichters feste Beifahrerin Louisa Beckmann gekommen. Aufgrund der räumlichen Distanz der beiden ist dies nicht so oft möglich, trotzdem sind sie ein eingespieltes Team – was gerade im Para-Fahrsport ungemein wichtig ist. Foto: Louisa Beckmann

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 23 Putzen, Hufeauskratzen, Aufschirren: Diese Handgriffe erledigt Patricia aber von ihrem Rolli aus selbst. Der zwölfjährige Gentle-Man macht seinem Namen alle Ehre und kommt Patricia dabei entgehen, hält ihr beim Aufzäumen seinen Kopf hin und bleibt in jeder Sekunde, in der sie nah an ihm steht, um das Geschirr zu verschnallen, still stehen. „Das haben wir zu Beginn sehr viel geübt und in fremder Umgebung, wo er etwas nervös sein könnte, lasse ich Louisa auch mehr machen“, erklärt die Fahrerin. Dass die Beziehung zwischen dem Pony und ihr aber weitaus mehr ist als gute Erziehung, sondern sehr viel innige Zuneigung, ist schnell zu spüren. Weiter geht es mit dem Anspannen, bei dem Gentle-Man nun geduldig vor dem Wagen steht, bis Patricia alle Schnallen geschlossen hat und ihren Rolli neben dem Rad des Trainingswagens parkt und ein kleines Handtuch auf das Vorderrad legt. Dann geht es mit viel Geschick selbstständig auf den Bock und dass, obwohl Patricia durch ihre Erkrankung, eine „Infantile Cerebralparese mit Spastik in Rumpf und Beinen, Skoliose und Hüftdysplasie“, sich im Rumpf nicht drehen und ihre Beine nur bedingt einsetzen kann. Das hinderte sie schon als Kind weder daran, mit ihrem Schaukelpferd von einer Seite des Gartens zur anderen zu hüpfen, noch ihren Traum vom Reiten durchzusetzen. „DaGentle-Man hat gelernt, ruhig zu stehen, damit seine Fahrerin ihn putzen, aufschirren und anspannen kann. Anschließend klettert sie auch aus dem Rolli auf den Bock des Trainingswagens.

PORTRÄT Patricia Großerichter 24 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com mals gab es noch wenige Angebote für therapeutisches Reiten und meine Mutter hat mich dann elf Jahre lang geduldig zu einer Reitschule in Wohld bei Badbergen gefahren“, lacht sie. Und dort war es nie mit der Reitstunde getan, denn Patricia wollte immer auch das Pferd vorher fertigmachen und anschließend versorgen. Das ging schließlich so gut, dass sie nicht nur das allein schaffte und die Ponys in allen Gangarten ritt, sondern sich auch um andere Schüler mitkümmerte. Warum ihre Leidenschaft für Pferde von Anfang an so ausgeprägt war, lässt sich nicht genau sagen, da beide Eltern nichts mit Pferden zu tun hatten. „Aber mein Urgroßvater väterlicherseits war Fuhrmann und der Urgroßvater mütterlicherseits bei der Kavallerie“, erzählt sie, vielleicht hat das einen Einfluss gehabt …“ Als Jugendliche wurden Patricias Beeinträchtigungen nach mehreren Operationen größer. Und während andere beim Reiten Fortschritte machten, musste sie Rückschritte hinnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich mit dem Fahren nur am Rande einmal beschäftigt, nun begann sie aber, sich dafür zu interessieren. Denn eins war klar: Ein Leben ohne Pferde würde es für sie nicht geben. Sie begleitete eine Mitschülerin, die in Lohne Fahrpferde ritt, schaute sich ein Fahrturnier in Holdorf an. Und dann vermittelte ihr die Frau des Vereinsvorsitzenden den Kontakt zu Peter Borgmann, der ihr anbot, das Fahren doch einfach mal auszuprobieren. Der Funke war übergesprungen – und mit Peter Borgmann der erste Fahrlehrer gefunden. Dieser stellte den Kontakt zu Heiner Lehrter her, der Patricia zur Interessengemeinschaft der Fahrer mit Behinderung (siehe Kasten) mitnahm. Von Heiner Lehrter erwarb sie dann auch ihr erstes Pony Dornik Star. Der kleine Fuchs war dem erfolgreichen Fahrer und Richter „zu brav“. Das war perfekt für Patricia, die von Anfang an ein Pony nicht nur zum Spazierenfahren, sondern für den Einstieg in den Turniersport suchte. Mit „Dorni“ fuhr sie von E bis S auch im Regelsport. „Mein großer Wunsch war eine S-Platzierung, und die hat er mir dann geschenkt“, freut sie sich. Heute ist der Zwanzigjährige in Rente – gesundheitsbedingt, denn zu einem Equiden Asthma Links: Galopparbeit vor dem Wagen macht Gentle-Man locker. Rechts: Dornik Star wird noch regelmäßig bewegt. Fotos: Anja Sagkob

www.pferdundwagen.com 4/2025 Pferd & Wagen 25 und Allergien kam noch eine Herzklappen-Insuffizienz hinzu. Dennoch wird er regelmäßig leicht spazieren gefahren oder von seiner Reitbeteiligung Sarah Weier geritten. Eine weitere Zukunft sieht sie für ihn als Lehrpferd für Vater Gerhard, der zwar seit rund 17 Jahren ihren Sport unterstützt, selbst aber nicht fährt. „Ich habe ihm jetzt einen Schnuppertag Fahren in einer Fahrschule geschenkt“, lacht Patricia und hofft, dass er anschließend Spaß daran hat, mit „Dorni“ noch ein wenig zu fahren. Sport im Fokus Für Patricia Großerichter stand von Anfang an der Leistungssport im Vordergrund. Dafür investiert die studierte Verwaltungsbeamtin, die für den Landkreis Diepholz im Bereich der Kommunalaufsicht arbeitet, viel, hat sich aber in ihrem Wohnort auch eine Firma als Sponsor gesucht, die sie etwas unterstützt. Die zwei speziell umgebauten Turnierwagen und ein Trainingswagen stammen von Dieter Haas (Hansmeier), der mittlerweile viel Erfahrung im Bereich der Umbauten für Fahrer mit Behinderung hat. Bei Patricia betrifft dies vor allem den Sitz, der ihr nicht nur durch seitliche Führung und ein zusätzliches Fußbrett besonders guten Halt gibt, sondern sich beim Marathonwagen auch ein Stück mitdreht, um die fehlende Rumpfrotation auszugleichen. Bremse und Drehkranzbremse sind bei allen Wagen ins Heck verlegt und werden vom Beifahrer bedient. Zum Transport besitzt sie außerdem einen kleinen Pferdetransporter mit Kutschenanhänger, den sie allein mittels Handgas fahren kann. Mindestens so wichtig wie das Equipment sind ihr Team aus Beifahrern und Helfern. Auf Turnieren sind das derzeit als feste Beifahrerinnen Louisa Beckmann und Anne Tegeler, zu Hause die Reitbeteiligungen Jolin Bothe und Sarah Weier sowie Linda Bente. Hinzu kommen immer wieder Stallkolleginnen, die gern mal mitfahren oder mitreiten und natürlich ihre Eltern, Vater Gerhard und Mutter Marion Großerichter, die sie unterstützen, wo sie nur können. Während die Sportlerin vor Corona fast jedes zweite Wochenende auf Turnieren unterwegs war, sind es mittlerweile nur noch etwa fünf bis sechs pro Saison mit Fokus auf die Dressurfahren ist Patricias Lieblingsdisziplin. Im Training legt sie Wert auf viele Übergänge und häufiges Dehnenlassen.

26 Pferd & Wagen 4/2025 www.pferdundwagen.com wichtigen Championate. „Als mit Corona plötzlich alle Veranstaltungen abgesagt wurden, wirkte das wie eine Entschleunigung“, erinnert sie sich. „Ein Jahr später habe ich normal weitertrainiert und beim ersten Trainingswochenende in Greven gemerkt, dass es gar nicht nötig ist, so viele Turniere zu fahren. Zumal es auch nicht immer leicht ist, die ganzen Helfer und Beifahrer zusammenzubekommen.“ Und schließlich möchte sie in Zukunft auch Zeit für ihre Richtereinsätze haben – im letzten Jahr hat die Fahrerin erfolgreich die Richterprüfung abgelegt. Gentle-Man Bei der Suche nach einem Nachfolger für Dornik Star kam Patricia wiederum der Zufall zu Hilfe. Eine Freundin entdeckte auf einer Weide von Bekannten einen dreijährigen Reitpony-Fuchs. „Er schaut aus wie Dorni“, beschrieb sie ihn. Eigentlich suchte Patricia ein Pony, das bereits gefahren war, doch schließlich beschloss sie, ihn sich wenigstens anzuschauen. „Und rate mal, wer sechs Wochen später hier einzog“, lacht sie. Das Einfahren des lebhaften Wallachs übernahm Frans Hellegers. Dann suchte sich Patricia vor allem Hilfe bei ihrem Trainer Michael Swiezynski vom Reiterverein St. Martin, Bockholt e. V. in Greven sowie bei Sylvia und Folkert Bühre. „Gentle IG Fahrer mit Behinderung Schon 1993 hatte sich eine Fachgruppe „Fahren für Menschen mit Behinderung“ zusammengeschlossen und sich 1995 im Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten zu einer eigenen Fachgruppe formiert. Die deutschen Fahrer mit Behinderung nahmen erstmals an internationalen Turnieren 1994 in England und 1996 in den Niederlanden teil. 2001 wurde dann die IG Fahrer mit Behinderung von 24 Aktiven, Beifahrern und Förderern gegründet. Die ersten Deutschen Meisterschaften fanden in Greven statt, seit 2002 werden im Zweijahrestakt auch Weltmeisterschaften durchgeführt. Die Fahrer starten dabei mit einem sogenannten Sportgesundheitspass, in den erlaubte Hilfsmittel und Umbauten eingetragen werden. Dazu gehören beispielsweise spezielle Sitze und Trittbretter auf dem Bock, Bremsen und Drehkranzbremsen, die vom Beifahrer bedient werden, Schlaufen für die Leinen oder eine Befestigung an der Hand für die Peitsche, aber auch die Parcoursbesichtigung per Quad und vieles mehr. Im internationalen Sport dürften die Fahrer außerdem einen luftbereiften Wagen für alle Prüfungen nutzen. Im Behindertenfahrsport werden außerdem entsprechend der Schwere der Behinderung drei Grade (international 2) unterschieden, wobei 1 die schwerste Behinderung (Querschnittslähmung oder Mehrfachbehinderung) und 3 die leichteste (beispielsweise der Einsatz eines kompensatorischen Hilfsmittels aufgrund einer Gehbehinderung) darstellt. Info: Interessengemeinschaft Fahren für Menschen mit Behinderung e.V., Wiesenweg 1, 33449 Langenberg. 1. Vorsitzender Markus Beerhues, https://fahren-mitbehinderung.de hat im Gegensatz zu Dorni sehr viel Bewegungsdrang, das war so wie der Umstieg von Bobbycar auf Porsche. Da brauchte ich erst mal Hilfe, um damit umzugehen“, erklärt sie. Auch schwierige Situationen im Gelände, beispielsweise die Begegnung mit Traktoren, die für Gentle immer noch unheimlich sind, lernte sie zu meistern. „Wir diskutieren immer mal wieder, wer von uns beiden das Tempo bestimmen darf. Da hilft dann nur Geduld, Konsequenz und viel Schritt fahren, um Ruhe reinzubringen“, berichtet sie. Und auch das war anfangs gar nicht so einfach. „Auf so einer Fahrt konnte es sein, dass ich ihn gefühlt Hunderte Male wieder durchparieren musste“, erinnert sie sich. „Es war erst mal ein langer Weg zu begreifen, dass man die Hand auch immer wieder vorgeben muss, wenn man möchte, dass das Pony bei einem bleibt, denn durch Festhalten erreicht man ja meistens das Gegenteil“, gibt Patricia fährt im Regelsport bis Klasse S mit. Hilfsmittel im Marathon sind ein mitdrehender Vordersitz, Schlaufen in den Leinen und Bremsen, die vom Beifahrer bedient werden. Foto: Louisa Beckmann PORTRÄT Patricia Großerichter

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